8.3 Faldella 1880

Giovanni Faldella, Un viaggio a Roma senza vedere il Papa, Torino 1880

De 960-4800

Das 1880 erschienene Werk Eine Reise nach Rom, ohne den Papst zu sehen von Giovanni Faldella (1846–1928) ist ein satirisch-literarischer Reisebericht, der sich in die Tradition der postunitarischen Reiseliteratur einfügt und eine ironische Reflexion über die neue Hauptstadt Rom bietet. Der Text, ursprünglich als Sammlung von „Notizen“ konzipiert, war teilweise bereits 1874–1875 in der Zeitung Fanfulla erschienen. Das Buch wird als Reisebilder im bäuerlichen Stil präsentiert, ist den Ingenieuren Bianchi und Mora gewidmet und in Form eines humoristischen Berichtes des Bürgermeisters Geronimo di Monticella, dem Alter Ego des Autors, geschrieben.

Faldellas Buch ist als Anti-Reiseführer konzipiert: Er beschreibt keine Monumente oder Routen, sondern enthüllt die Wahrnehmungen, Klischees und Enttäuschungen der zeitgenössischen Besucher bzw.  Besucherinnen angesichts des neuen, bürgerlich-administrativen Rom. In einem spannungsreichen Dialog zwischen Beobachtung und Parodie entwickelt der Autor eine echte Poetik der Ernüchterung, indem er sowohl die klassischen Modelle der Grand Tour als auch die patriotische Rhetorik des Risorgimento dekonstruiert.

Das Werk übersetzt als hybride Form zwischen Pamphlet und Reisejournal die Erfahrung von Ortswechsel und urbanem Wandel in psychologische und symbolische Dimensionen, und macht aus der Hauptstadt ein Laboratorium nationaler Identität und literarischer Modernität. [VC]

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