8.2 De Amicis 1870
Edmondo De Amicis, Impressioni di Roma, Firenze 1870
De 960-4702 raro II
Im Jahr 1870 beauftragte die florentinische Tageszeitung La Nazione den jungen Schriftsteller Edmondo De Amicis (1846-1908), die Einnahme Roms durch das italienische Heer zu begleiten. Die während um den 20. September 1870, dem historischen Moment des „Durchbruchs der Porta Pia“, verfassten Artikel wurden noch im selben Jahr unter dem Titel Impressioni di Roma (Eindrücke aus Rom) veröffentlicht und markieren den Abschluss seiner Tätigkeit als Militärjournalist.
In der Vorrede betont De Amicis, dass der Text keinen literarischen Anspruch habe: „Das Ganze wurde in der größten Aufregung geschrieben… ohne einen anderen Zweck, als ein wenig von der glückseligen Ergriffenheit zu vermitteln, die der Verfasser empfunden hat.“ Diese Worte fassen das Wesen des Werkes: ein spontanes, ergreifendes Zeugnis eines vierundzwanzigjährigen Offiziers, der die Ereignisse als moralische Vollendung der nationalen Einheit beschreibt.
Für De Amicis repräsentiert Rom nicht nur die Hauptstadt der katholischen Welt, sondern das Symbol eines freien und souveränen Altertums. Der Autor ruft das Wiederaufleben der „Traditionen“ herbei, die „unter dem Schleier der Religion“ eingeschlafen seien und wieder lebendig würden, wenn „die Sonne der Freiheit auf diese schlafende Welt scheine“, und nicht den „alten Hochmut“, sondern ein „legitimes Gefühl der Besonderheit“ hervorbringe.
Bei der Lektüre spürt man die Begeisterung der römischen Bevölkerung bei der Ankunft der italienischen Truppen und den Respekt, den die Soldaten den Bürgern und Bürgerinnen entgegenbringen, womit der Autor das vom päpstlichen Staat gezeichnete Bild der „Barbaren“ widerlegt. Die Vermischung der Dialekte und Traditionen innerhalb des Heeres erscheint ihm als lebendigste Verkörperung der nationalen Einheit: „Der italienische Mann, offen, einzigartig, typisch… im Heer ist er zu finden.“ [VC]



