1.3 Titi 1674
Filippo Titi, Studio di pittura, scoltura et architettura, Roma 1674
Dg 450-2740 Coll. rom. I
Das Studio di pittura, scoltura et architettura (Studium der Malerei, Bildhauerei und Architektur) des Abtes Filippo Titi stellt den ersten wirklichen Versuch dar, das künstlerische Erbe von mehr als 275 Kirchen in Rom systematisch zu erfassen. Nach einer kurzen historischen Einführung richtet der Autor bei jedem Bauwerk den Blick ausschließlich auf die darin befindlichen Kunstwerke.
Das Werk war so erfolgreich, dass bereits 1675 in Macerata eine Raubkopie mit zahlreichen Rechtschreib- und Druckfehlern erschien. Auch deshalb legte Titi 1686 eine vollständig überarbeitete, erweiterte und korrigierte Neuausgabe vor, diesmal mit leicht verändertem Titel: Ammaestramento utile, e curioso di pittura, scoltura et architettura (Nützliche und lehrreiche Unterweisung in Malerei, Bildhauerei und Architektur). Nach seinem Tod im Jahr 1702 wurde der Führer in drei weiteren Auflagen veröffentlicht: 1708 mit Ergänzungen von Francesco Posterla, 1721 in anonymer Form und 1763 in der Bearbeitung von Giovanni Gaetano Bottari.
Kein nach 1674 erschienener Führer konnte es sich leisten, das von Titi entworfene Modell zu ignorieren: Selbst die Autoren stärker historisch-wissenschaftlich ausgerichteter Werke übernahmen ausführlich die Angaben zu den in der Stadt vorhandenen Gemälden und Skulpturen – wohl wissend, wie sehr Reisende nach solchen Informationen verlangten.
Ein zweites in der Bibliotheca Hertziana aufbewahrtes Exemplar ((Dg 450-2740/a raro I) weist eine besondere Eigenheit auf: Eine im Druck überklebte Korrektur mit einer von Titi selbst eingefügten Anmerkung berichtigt die falsche Zuschreibung der Kuppel von Sant’Andrea della Valle an Domenichino und nennt stattdessen den tatsächlichen Architekten, Giovanni Lanfranco. [AC]



