6.3 Nibby 1819
Antonio Nibby, Viaggio antiquario ne’ contorni di Roma, Roma 1819
Be 3218-4190/1 raro IV
Das 1819 in zwei Bänden in der Druckerei De Romanis veröffentlichte Werk Viaggio antiquario ne’ contorni di Roma („Reise auf den Spuren des Altertums in der Umgebung von Rom“) zählt zu den frühesten und bedeutendsten systematischen Erkundungen der römischen Campagna mit zugleich wissenschaftlichem und populärwissenschaftlichem Anspruch. Der Autor Antonio Nibby (Rom, 1792–1839), Archäologe, Topograph und Professor für Archäologie an der römischen Universität Sapienza war bereits durch seine Übersetzungen des Pausanias und seine kommentierten Ausgaben der Roma antica von Famiano Nardini bekannt.
Das Werk präsentiert sich als gelehrtes Reisehandbuch, gegliedert in Routen entlang der wichtigsten Konsularstraßen des römischen Umlands – der Via Appia, Via Tiburtina, Via Flaminia und Via Salaria sowie weiterer Verkehrsachsen. Es beschreibt Ruinen, Grabstätten und monumentale Hinterlassenschaften, stets mit Verweisen auf antike und mittelalterliche Quellen. Nibby verbindet die literarischen Zeugnisse mit der direkten Beobachtung vor Ort, basierend auf einer methodischen Feldforschung, welche die moderne archäologische Topographie vorwegnimmt.
In den beiden Bänden führt der Autor die Leserschaft auf eine antiquarische Entdeckungsreise, welche die Erfahrung des Gehens mit historiographischer Rekonstruktion verbindet – mit dem erklärten Ziel, „jenen als Führer zu dienen, welche die berühmten Orte um Rom aufsuchen möchten“.
Das Viaggio antiquario bildete die Grundlage für die spätere „Carta de’ dintorni di Roma secondo le osservazioni di Sir William Gell e del Prof. A. Nibby“ (1827) – die erste archäologische Karte, die auf trigonometrischen Messungen basierte. Das Werk wurde von der wissenschaftlichen Gemeinschaft positiv aufgenommen und diente Forschern und Reisenden als Referenzmodell, welches das Interesse an der römischen Campagna als Ort historischer, künstlerischer und kultureller Identität nachhaltig prägte.
Obwohl Nibby im Rahmen der antikensammelnden Wissenschaft des 19. Jahrhunderts agierte, brachte er ein analytisches und systematisches Verfahren ein, das die Reise zu einer Form der Forschung erhob. Sein Viaggio antiquario kann als Synthese aus Reiseführer und wissenschaftlicher Abhandlung gelten – ein Werk, in dem sich die unmittelbare Erfahrung der archäologischen Landschaft mit einer Reflexion über das historische Gedächtnis des römischen Territoriums verbindet. [VC]



