1.6 Klaute 1722
Johann Balthasar Klaute, Diarium Italicum, oder Beschreibung derjenigen Reyse, Kassel 1722
Fa 150-3220 raro VI
Johann Balthasar Klaute (1653-1733) wurde auf Grund seiner militärisch-diplomatischen Erfahrungen und Sprachkenntnisse im Jahr 1699 zum Organisator und Begleiter der fünfmonatigen Italienreise des Landgrafen von Karl von Hessen-Kassel (1654-1730), zu der ein zweiwöchiger Aufenthalt in Rom gehörte. Sein erst 1722 gedruckter Bericht folgt offenbar seinen Aufzeichnungen und richtet sich immer wieder unmittelbar an den Regenten, als ob er diesem die Ereignisse in Erinnerung rufen wolle. Das Tagesprogramm gliederte sich jeweils in vor und nach der Mittagstafel und gelegentlich lässt der Landgraf seine Begleiter das von einem „Antiquarius“ gestaltete Programm auch ohne ihn absolvieren. Neben der Auflistung der Sehenswürdigkeiten und Kunstschätze steht die sorgfältige Wiedergabe von Inschriften, aber auch von Maßen und Kosten, gelegentlich unterbrochen von Anekdotischem und persönlichen Erfahrungen: So gab es Probleme mit dem Zoll beim Einzug in die Stadt, für die sich Klaute zu Unrecht kritisiert sah (S. 98-99). Bei der Besichtigung von Sankt Peter berichtet er, dass man ihnen mit der Exkommunikation droht, weil sie sich in der Basilika unterhaltend Tabak schnupften – dem sie mit dem Argument begegnen, dass dies nicht für Fremde gelte (S. 116-117). Der Kontakt mit Giuseppe Campani (1635-1715), bei dem sie Fernrohre und Mikroskope kauften, die er mit einer Preisliste dokumentiert, führte dazu, dass sie ihm bei der Suche nach dem Verbleib seines Sohnes in Augsburg zu helfen versuchten (S. 128-130). [PH]



